Edison, 16 Jahre

„Ich heisse Edson und bin 16 Jahre alt. Ich habe zwei Schwestern und einen Bruder, die alle auch in Heimen leben. Früher lebten wir bei unserer Grossmutter, aber wir hatten dort grosse Probleme. Als ich auf der Strasse lebte, war das sehr schlimm. Ich bettelte und nahm Drogen. Ich wusch mich im Brunnen. Dann kam ich in eine Auffangstelle und musste dort bleiben, bis in der Chácara ein Platz frei wurde. Ich bin schon fünf Mal aus der Chácara geflohen. Aber sie haben mich wieder abgeholt, da meine Grossmutter nicht für mich sorgen kann. Hier im Heim habe ich alles, was ich brauche. Mein Traumberuf ist Mechaniker.“ 

Rodrigos, 9 Jahre 

„Ich, meine Mutter und meine Schwester lebten in Portão (ein Viertel in Curitiba). Es war gut dort, weil mein Vater mit mir spielte. Meine Mutter ging mit mir in den Park. Dort spielte ich Fussball und Volleyball (kennt man das in der Schweiz?). Aber dann trennten sich meine Eltern wegen einem Streit zwischen meinen Geschwistern. Mein Bruder schlug meine Schwester. Meine Mutter verteidigte meinen Bruder, mein Vater verteidigte meine Schwester. Meine Mutter kam ganz alleine für unser zuhause auf. Mein Vater half gar nicht. Deshalb ging ich weg und arbeitete als Autowächter. Ich bezahlte das Gas, das Licht und das Wasser. Wirklich schlimm waren die Streitereien zwischen mir und meiner Schwester. Damit ich sie nicht schlug oder ihr sonst wie Schmerzen zufügte, floh ich ausser Haus. Und ich rauchte und trank.“


Anonymes Kind

„Eines Tages floh ich von zu Hause, weil mein Vater mich schlug. Ich war sehr zornig. Meine Schwester hat immer gut für mich gesorgt. Sie wurde mit acht Schüssen getötet, als sie Schulden meines Bruders bezahlen wollte. Um sich an ihm zu rächen wegen der zu späten Rückzahlung, brachten die Gläubiger sie um. Ich lebte ungefähr ein Jahr lang auf der Strasse. Das war sehr schlimm. Ich hatte kaum zu essen, besass nichts, klaute und bettelte. Ich hatte nur, was ich auf dem Leib trug und wusch mich im Brunnen. Ich hatte Sehnsucht nach meiner Mutter. Ich hatte Angst, dass mein Vater sie umgebracht hatte, denn wenn er wütend war wurde er sehr gewalttätig. Eines Tages wurde ich von der Vormundschaftsbehörde von der Strasse geholt. Sie fragten mich, ob ich in einem Heim wohnen wolle. Und ich sagte zu.“


Portraits zusammengefasst von Viktor Carp und Masako Kaufmann im Rahmen der Polistage 2011 am MNG Rämibühl.