Interview mit der Volontärin Sarah Hänggi


Was war und ist Ihre Motivation, als Volontärin in Brasilien mitzuhelfen?

Ich wollte schon immer mal im Ausland in einer NGO arbeiten. Ich bin nun im Studium, ich studiere Soziale Arbeit und absolviere hier nun mein zweites Praktikum. 


Weshalb haben Sie sich dafür entschieden, aktiv am Projekt „Chacara“ teilzuhaben und der Organisation nicht einfach Geld zu spenden?

Ich habe mich dafür entschieden, aus oben genannten Gründen. Ich möchte diese Erfahrung machen, mitarbeiten, den Alltag der Kinder und der Erzieher kennenlernen, in die Organisation hineinsehen und teilnehmen. Ich arbeite gerne mit Kindern und bin neugierig, wie das Leben hier ist. Ich bin Studentin, habe also nicht viel Geld, welches ich spenden könnte. Glücklicherweise konnte ich mein Interesse mit meiner Ausbildung kombinieren.  


Was für einen Bezug haben Sie zu Brasilien?

Ich bin in einer afrobrasilianischen Trommelgruppe. Dadurch habe ich einige Brasilianer kennengelernt. Mir gefällt brasilianische Musik, die Rhythmen, die Sprache, die Kultur. Zusätzlich wollte ich gerne Portugiesisch lernen. Ich bin allgemein sehr interessiert an Lateinamerika. Spanisch spreche ich schon, daher wollte ich nach Brasilien.


Wieso liegt Ihnen genau das Wohl dieser Kinder am Herzen?

Mir liegt das Wohl aller Kinder am Herzen, egal wo sie wohnen. Ich habe erfahren, dass sie eine schwierige Vergangenheit haben und finde es daher schön, für sie da zu sein.

 

Wie sind Sie als Volontärin tätig und in welchem Bereich unterstützen Sie die Kinder?

Ich bin nun erst zweieinhalb Wochen hier und habe bisher noch keine genau definierten Aufgaben. Ich denke, das wird sich ergeben. Ich muss auch aufgrund der Vorgaben meiner Universität Ziele meines Praktikums bestimmen/definieren und diese dann erfüllen. Diese haben wir aber noch nicht festgelegt. Ich helfe mit wo ich kann, zum Beispiel beim Abwasch, oder unterstütze die Kinder bei ihren Hausaufgaben, schaue darauf, dass sie die Regeln befolgen, spreche mit ihnen, bin für sie da, spiele mit ihnen und begleite sie, wenn sie irgendwo hinwollen.


Wie haben Sie die Ankunft in Brasilien empfunden? Inwiefern war dies ein Kulturschock?

Ich wurde gut empfangen, fühlte mich aber etwas einsam, da ich mich noch nicht so gut auf Portugiesisch ausdrücken konnte bzw. weil die Leute hier ihren ´Slang´ sprechen und es viele Ausdrücke gibt, die in keinem Dictionnaire stehen. Daher war ich vor allem unsicher, weil ich nicht wusste, was von mir erwartet wird. Auch gab es einige Missverständnisse. Dies ist nun aber alles besser geworden.

Schockiert war ich vor allem betreffend Sauberkeit und auch über den teils sorglosen Umgang der Kinder /Jugendlichen mit dem vorhandenen Material (Bücher, Spielsachen, etc.) Es scheint, dass sie nicht gelernt haben zu ihren Sachen zu schauen. Auch mit den Möbeln gehen sie nicht gerade liebevoll um.


Wie verändert der Umgang mit den Kindern Sie als Mensch?

Indem ich mit den Kindern arbeite, sie beobachte, ihren Alltag und ihr Leben kennenlerne, lerne ich sie besser verstehen. Auch merke ich, wie sehr sie auf Liebe und Geborgenheit angewiesen sind. Es ist schön, wenn sie auf einen zukommen und einfach umarmen und ihre Zuneigung zeigen. Ich werde mir bewusst, dass sie verständnisvolle Erwachsene brauchen. Jedes Kind braucht Bezugspersonen, die für es da sind.